Krankheitsbilder
Strecksehnenverletzung am Endgelenk
wie Beugesehen werden auch Strecksehnen häufig bei Unfällen mit scharfen Gegenständen mitverletzt, können aber auch spontan reißen oder bei Radiusfrakturen (Brüche des Speichenknochens) in Mitleidenschaft gezogen werden.
Definition
Bei Strecksehnenverletzungen im Bereich des Endgelenkes kann dieses aktiv nicht mehr gestreckt werden. Als Ursachen kommen offene und geschlossene Verletzungen in Frage. Als Therapie stehen operative Verfahren und konservative Möglichkeiten zur Verfügung.
Ursache
Als Ursachen werden hierbei offene Durchtrennungen durch Schnittverletzungen von geschlossenen (keine Hautverletzung) Verletzungen unterschieden.
Geschlossene Verletzungen treten bei einer gewaltsamen unvorhergesehenen Beugung des Endgliedes auf. Es handelt sich häufig um geringe Gewaltanwendungen, wie z. B. Einstecken des Bettlakens neben die Matratze oder Hängenbleiben des Fingers in der Kleidung.
Erscheinungsbild
Schnittverletzungen bzw. offene Wunden über der Streckseite des Endgelenkes können hinweisend sein. Sowohl bei offenen als auch geschlossenen Verletzungen verbleibt das Endglied bei kompletter Durchtrennung der Strecksehne in diesem Bereich spontan in etwa 40°-60° Beugestellung (gemessen von der Fingerlängsachse) und kann nicht mehr aktiv gestreckt werden. Bleiben Teile der Strecksehne erhalten, so fällt die Beugestellung geringer aus (etwa 20°). Bei geschlossenen Verletzungen können sowohl Druckschmerz, als auch Schwellung und/oder Bluterguß auftreten.
Diagnostik
Neben der klinische Untersuchung sollte auch immer eine Röntgenuntersuchung zum Ausschluß einer knöchernen Beteiligung stattfinden. Bei der geschlossenen Verletzung kann die Sehne am Ansatz am Knochen, ansatznah oder mit einem Knochenstückchen abreißen.
Therapie
Offene Schnittverletzung:
Bei der offenen Schnittverletzung sollte eine sofortige operative Therapie erfolgen.
Ist die Sehne genäht, kann eine zusätzliche zeitweilige Fixierung des
Endgliedes erfolgen, indem ein Metallstift durch das Endgelenk gebohrt
wird, der nach 6 Wochen wieder entfernt wird.
Die Nachbehandlung sieht für 6 Wochen eine Ruhigstellung mittels
Fingergipsschiene bis zur gesicherten Wundheilung oder einer
Kunststoffschiene vor, die das Endgelenk in gerader Position oder
leichter Überstreckung hält und das Mittelgelenk frei beweglich läßt.
Geschlossene Verletzungen:
Handelt es sich um einen geschlossenen Strecksehnenabriß empfiehlt sich
eine konservative Therapie, d. h. es wird nicht operiert, sondern das
Gelenk mit, oben schon erwähnter, Kunststoffschiene für 6-8 Wochen
ruhiggestellt. Die Schiene ist dabei in gerader Stellung oder leichter
Überstreckung (ca. 10°) anzubringen. Es ist ratsam eine individuell
angepaßte Schiene zu modellieren, da vorgefertigte Schienen meistens
nicht optimal passen. Die Schiene muss ständig getragen werden. Wird
sie zur Hautpflege abgenommen, so muß der betroffene Finger entweder
mit Hilfe eines anderen Finger unterstützt werden oder gerade auf einer
ebenen Unterfläche liegen (z. B. Tischplatte), der Finger darf nicht
„frei in der Luft hängen“.
Auch nach Abnahme der Schiene nach 6-8 Wochen sollten zunächst noch
kraftvolle Beugungen im Endgelenk vermieden werden und die Schiene bei
körperlicher Arbeit zum Schutz angelegt werden.
Ein operatives Vorgehen bei geschlossenen Strecksehnenabrissen hat
keine größeren Erfolgs- aussichten gegenüber dem konservativen Vorgehen,
sondern bringt zusätzlich die Gefahren einer Operation (z. B.
Infektion, Wundheilungsstörungen), außerdem ist eine ebensolange
Ruhigstellung wie bei konservativer Vorgehensweise nötig.
Auch bei knöchernem Strecksehnenabriß kann bei einem kleinen
Knochenbruchstück und geringer Dislokation (das Knochenbruchstück ist
nur wenig verschoben) oben erwähntes konservatives Vorgehen angewandt
werden. Jedoch ist vor allem bei größeren Knochenbruchstücken
(Fragmenten) ein operatives Vorgehen sinnvoll. Das Knochenstückchen
kann sowohl mit Schrauben als auch mit Metallstiften an Ort und Stelle
plaziert werden. Nachbehandlung siehe unter offener Verletzung.
Veraltete Strecksehnenabrisse:
Unbehandelt kann eine Ruptur des Streckapparates in Höhe des
Endgelenkes zu einer Schwanen- halsdeformität führen, d. h. zu einer
Überstreckung im Mittelgelenk bei Beugung im Endgelenk.
Operative Korrekturen sind erst möglich, wenn sich ausreichend festes
Ersatzgewebe gebildet hat (ca. 3 Monate nach Verletzung). Verschiedene
Verfahren sind hier möglich mit ähnlicher Nachbehandlung wie unter
akuter Verletzung.
Als letzte Möglichkeit ist auch eine Versteifung des Endgelenkes in funktionsgerechter Stellung (10°-20° Beugung) möglich.
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